Gitarrenpedale und Effekte – forme deinen eigenen Gitarrensound
Gitarrenpedale ermöglichen es, den Klang deiner Gitarre zu verändern, zu formen und zu erweitern. Von einem einfachen Overdrive oder Tuner bis hin zu großen Pedalboards, Multieffekten und moderner Amp-Simulation können Effekte sowohl als kleine Anpassungen des Grundsounds als auch als zentraler Bestandteil des gesamten Gitarren-Rigs eingesetzt werden.
Entscheidend ist nicht, die meisten Pedale zu besitzen, sondern die Effekte auszuwählen, die ein konkretes Bedürfnis in deinem Setup erfüllen.
Die Pedale werden typischerweise zusammen mit einer E-Gitarre und einem Gitarrenverstärker verwendet, viele Effekte können aber auch mit einer E-Akustikgitarre, bass, keyboard und Studioequipment eingesetzt werden.
Welches Gitarrenpedal soll ich wählen?
Überlege zunächst, was dir in deinem aktuellen Sound fehlt.
Möchtest du:
- mehr Gain und Breakup?
- stärkere Distortion?
- mehr Sustain?
- Raum und Tiefe?
- Echo und rhythmische Wiederholungen?
- Modulation und Bewegung?
- bessere Kontrolle über die Dynamik?
- mehrere Effekte in einem Gerät?
Wenn der Bedarf klar ist, fällt die Wahl des richtigen Pedaltyps deutlich leichter.
Overdrive
Ein Overdrive-Pedal wird typischerweise verwendet, um die Art von Breakup zu erzeugen oder zu verstärken, die man mit einem überlasteten Gitarrenverstärker verbindet.
Es kann verwendet werden als:
- eigenständiger Drive-Sound
- Boost vor einem bereits verzerrten Verstärker
- zusätzliches Gain für Soli
- Klangformung vor anderen Gain-Pedalen
Overdrive ist nicht nur für Blues oder klassischen Rock geeignet. Er wird in praktisch allen Gitarrengenres eingesetzt.
Distortion
Distortion sorgt typischerweise für mehr Kompression und Verzerrung als herkömmlicher Overdrive.
Sie kann für alles von Hard Rock bis Punk, alternativer Musik und Metal eingesetzt werden. Der Effekt hängt jedoch ebenso stark von Gitarre, Verstärker und Einstellungen wie vom Pedaltyp selbst ab.
Das aktuelle Sortiment umfasst unter anderem klassische Distortion-Lösungen von Boss by Roland und Fender.
Fuzz
Fuzz ist eine extremere Form der Signalverzerrung mit einem charakteristisch komprimierten, rauen und oft beinahe synthähnlichen Klang.
Fuzz kann je nach Folgendem sehr unterschiedlich reagieren:
- Tonabnehmern der Gitarre
- Position des Pedals
- anderen Gain-Pedalen
- Verstärker
- Lautstärkeregler der Gitarre
Das aktuelle Sortiment umfasst unter anderem Fuzz-Face-Modelle von Dunlop.
Delay
Delay wiederholt das Signal der Gitarre nach einem bestimmten Zeitintervall.
Es kann dezent eingesetzt werden, um mehr Tiefe zu erzeugen, oder sehr deutlich für rhythmische Wiederholungen, Ambient-Flächen und experimentelle Sounds.
Wichtige Funktionen können sein:
- Delay Time
- Feedback
- Mix
- Tap Tempo
- Modulation
- Stereo
- Presets
Reverb
Reverb simuliert die Reflexionen eines realen oder künstlichen Raums.
Typische Arten umfassen:
- Spring
- Plate
- Room
- Hall
- Shimmer
- moduliertes Reverb
Viele Gitarrenverstärker verfügen über ein integriertes Reverb, ein separates Pedal bietet jedoch häufig eine größere Kontrolle und mehr Arten von Raumklang.
Chorus, Phaser, Flanger und Modulation
Modulation umfasst mehrere Effekte, bei denen sich Tonhöhe, Phase oder Timing des Signals im Laufe der Zeit verändern.
Chorus
Chorus erzeugt einen breiteren und bewegteren Klang, indem das Originalsignal mit einer leicht veränderten Kopie kombiniert wird.
Phaser
Phaser erzeugt durch Phasenverschiebungen im Signal Bewegung.
Flanger
Flanger verwendet sehr kurze Verzögerungen und Feedback für einen markanteren Swoosh- oder Jet-ähnlichen Effekt.
Tremolo
Tremolo verändert die Lautstärke des Signals rhythmisch und kann sowohl dezent als auch sehr markant eingesetzt werden.
Kompressor
Ein Kompressor reduziert den Unterschied zwischen lauten und leisen Teilen des Signals.
Er kann für Folgendes sorgen:
- gleichmäßigeres Niveau
- mehr Sustain
- deutlicheren Attack
- kontrollierteren Clean-Sound
Kompression wird je nach Spielstil und Genre sehr unterschiedlich eingesetzt und ist nicht unbedingt für alle Gitarristen erforderlich.
Equalizer-Pedal
Ein EQ-Pedal ermöglicht eine präzisere Anpassung bestimmter Frequenzbereiche als die gewöhnlichen Klangregler eines Gitarrenverstärkers.
Es kann beispielsweise verwendet werden für:
- Solo-Boost
- mehr oder weniger Mitten
- Anpassung zwischen mehreren Gitarren
- Kompensation verschiedener Verstärker
- Klangformung vor oder nach Distortion
Tuner-Pedal
Ein Tuner ist häufig eines der ersten Pedale auf einem Pedalboard.
Er ermöglicht eine schnelle Kontrolle der Stimmung auf der Bühne und kann bei vielen Modellen gleichzeitig das Signal stummschalten, während die Gitarre gestimmt wird.
Sieh dir auch unsere weiteren Gitarrentuner an.
Looper-Pedal
Ein Looper nimmt kurze oder längere Passagen auf, die anschließend wiederholt abgespielt werden können.
Dadurch eignet sich der Looper besonders für:
- Soloübungen
- Akkordprogressionen
- Songwriting
- Solo-Liveauftritte
- Layering-Arrangements
Multieffekt oder Einzelpedale?
Ein Multieffektgerät vereint mehrere Effekte in einem Gerät. Das kann ein großer Vorteil sein, wenn du viele Sounds möchtest, ohne zahlreiche Einzelpedale zu kaufen und zu verbinden.
Einzelpedale bieten dagegen die Möglichkeit, für jede Funktion genau einen Favoriten auszuwählen.
Vorteile von Multieffekten
- viele Effekte zusammengefasst
- Presets
- oft Amp- und Boxensimulation
- weniger Kabelaufwand
- praktisch für Live-Einsatz und Studio
Vorteile von Einzelpedalen
- sehr flexibles Pedalboard
- ein Effekt lässt sich leicht austauschen
- schneller physischer Zugriff auf die Regler
- Möglichkeit, verschiedene Hersteller zu kombinieren
Das aktuelle Sortiment umfasst unter anderem POD-Express-Lösungen von Line 6.
Amp-Simulation und IR
Moderne Gitarreneffekte können auch den eigentlichen Gitarrenverstärker und die Lautsprecherbox simulieren.
Dadurch ist es möglich, ein Setup ohne einen herkömmlichen physischen Combo-Verstärker oder ein separates Topteil- und Boxen-Rig aufzubauen.
Ein Produkt wie Boss IR-200 ist ein Beispiel für diese Art moderner Signalverarbeitung.
Pedale vor dem Verstärker
Viele Pedale werden zwischen Gitarre und Eingang des Verstärkers platziert.
Hier werden typischerweise verwendet:
- Tuner
- Wah
- Kompressor
- Overdrive
- Distortion
- Fuzz
- EQ
Es gibt jedoch keine allgemeingültige Regel. Die Reihenfolge der Pedale kann bewusst verändert werden, um unterschiedliche Ergebnisse zu erzielen.
Pedale im Effektweg
Wenn dein Verstärker über einen Effektweg verfügt, können Effekte zwischen Preamp und Poweramp platziert werden.
Delay, Reverb und Modulation werden häufig hier platziert, insbesondere wenn der Preamp des Verstärkers die Verzerrung liefert.
Prüfe immer, wie dein konkreter Gitarrenverstärker aufgebaut ist.
Wie werden Gitarrenpedale miteinander verbunden?
Ein gewöhnlicher Signalweg kann beispielsweise so aussehen:
Gitarre → Tuner → Kompressor → Gain → Modulation → Delay → Reverb → Verstärker
Dies ist jedoch nur ein Ausgangspunkt.
Fuzz kann beispielsweise je nach Position deutlich unterschiedlich reagieren, und Modulation oder Delay vor der Distortion können völlig andere Sounds erzeugen als die traditionellere Reihenfolge.
Patchkabel und Gitarrenkabel
Die Pedale müssen mit kurzen Patchkabeln verbunden werden, während Gitarre und Verstärker typischerweise mit längeren Instrumentenkabeln verbunden werden.
Sieh dir unsere Auswahl an Gitarrenkabeln für das Gitarren-Rig an.
Eine große Anzahl unnötig langer Kabel kann das Pedalboard unpraktischer machen und in manchen Setups das Rauschen oder den Signalverlust erhöhen.
Stromversorgung für Gitarrenpedale
Pedale benötigen die korrekte Spannung, Polarität und ausreichende Stromstärke.
Du solltest niemals ein beliebiges Netzteil anschließen, nur weil der Stecker physisch passt.
Prüfe immer:
- Volt
- AC oder DC
- Polarität
- Stromverbrauch in mA
Bei größeren Boards können isolierte Stromausgänge von Vorteil sein, um Rauschprobleme zu reduzieren.
Pedalboard
Wenn die Anzahl der Pedale wächst, kann ein Pedalboard dabei helfen, das gesamte Rig leichter zu organisieren, zu transportieren und aufzubauen.
Dadurch wird es gleichzeitig einfacher, den Überblick über Kabel und Stromversorgung zu behalten.















